17. December 2009 in Allgemein

Am Anfang will ich gleich zwei Dinge klarstellen: erstens ist dieser Artikel nicht von Cala, es ist ein Gastartikel von tobi im Rahmen von Konnas Blogjulklapp, bei welchem ich halt diesem Blog zugelost wurde. Ich schreibe normal auf red flog, dort nur sehr selten über Computerspiele, nie über World of Warcraft, welches ich zwar mal gespielt habe, aber seit sehr langer Zeit nicht mehr spiele.

Zweitens, auch wenn der Titel ein klein wenig so klingen mag, dies soll nicht der übliche WoW-Bash werden, auch wenn ich dem Spiel persönlich inzwischen eher kritisch gegenüberstehe. Ich hoffe, der Artikel kommt trotzdem recht objektiv bei euch Lesern an!

Auch wenn das Bild von Computerspielern in der Gesellschaft oft mit dem Begriff Kellerkind beschrieben werden kann, betrachtet man die Geschichte von Computerspielen mal objektiv gab es immer soziale Aspekte dabei. Klar bieten und boten Spiele immer die Möglichkeit sich alleine zu unterhalten, aber bereits in frühesten Zeiten konnte man das Ganze als Gruppenaktivität gestalten. Bei welchem Arcadeautomaten stand nicht oftmals neben dem Spieler noch eine Gruppe Anderer, welche sein Spiel beobachteten und kommentierten? Ob Pacman, Tetris oder Asteroids, ich persönlich fand dass (zynische) Zwischenrufe mir fast eben soviel Spaß machten wie das Spielen selbst. Oder die Konsole (war die von Atari) meines Nachbarn, auf welcher wir wie wild Pong spielten, was gegen andere Spieler um einiges witziger war als gegen den Chip in der Konsole – der brachte viel weniger Emotionen rüber wenn er gewann oder verlor.

bruce-leeAls nächstes gab es dann den c64 eines Klassenkameraden, auf welchem wir gemeinsam das Jump&Run Bruce Lee spielten, und dabei gab es eine Neuerung meiner Multiplayererfahrung, eigentlich die erste. Denn bei Bruce Lee könnte man gleichzeitig spielen! Der eine Spieler steuerte Bruce Lee, der andere einen dicken Sumotypen durch die Räume, welche die zwei Figuren nur gemeinsam zum nächsten verlassen konnten. Zum ersten Mal war direktes Teamplay gefragt! Danach gab es eine ganze Zeit keine wirklichen Fortschritte, weder an meinem Amiga500, noch am IBM-kompatiblen PC meines Bruders, es blieb bei spielen im gleichen Fenster, SplitScreen und rundenbasierten Multiplayern. Klar gab es noch lustige Spiele, bis zu 4 Leute vor einem PC mit You don´t know Jack war wirklich ein unglaublich witziger Quizspaß, aber es war nur die Steigerung der bisherigen Technik, nichts Neues!

cs betaGegen Ende der 90er kam dann dann die Revolution: Netzwerke mit BNC-Kabeln (und die ewige Diskussion wie der BNC-Kreis am besten aufgebaut werden sollte)! Diablo, HalfLife Deathmatch und die ersten dazugehörigen Mods waren angesagt. Irgendwann war dann eigentlich nur noch CounterStrike angesagt, und es ging vermehrt auf LAN. Aber relativ schnell kam dann der nächste Quantensprung, das Internet. CS-Server mit 16 Spielerslots, und das ohne den PC erstmal zu einem Kumpel schleppen müssen – herrlich!

Die logische Fortsetzung war dann World of Warcraft, eine viel größere Welt und viel, viel mehr Spieler gleichzeitig, das kam einem schon fast wie eine belebte Welt vor. Ich spielte WoW während der Beta und noch etwas Zeit danach, aber auch dieses Spiel hatte seine Mängel. PVE-Server waren eh uninteressant, also gingen wir damals direkt auf einen PvP-Server, aber selbst dort gab es, bis auf wenige Ausnahmen, keine wirkliche Auseinandersetzung zwischen den Fraktionen, Spieler der Allianz und der Horde lebten zumeist nebeneinander her. Quests, Ausrüstung und Aufstiege waren wichtiger als die eigentliche Hintergrundgeschichte des angeblichen Konflikts. Gelegentlich gab es Raids, was damals noch bedeutete dass eine Gruppe in ein Gebiet der anderen Fraktion eindrang und versuchte so weit wie möglich alles zu plätten, aber gut durchgeführte Raids waren wirklich seltene Aktionen, zumeist war der Spuk nach wenigen Minuten vorbei. Ich probierte sogar die Rollenspielserver aus, aber außer geschwollener Sprache war da nicht wirklich etwas anders. An einem Punkt entschied ich dann, dass WoW für eine Zeit nett war, mir aber für die zu investierende Zeit und das Geld zu wenig bot.

Aktuell spiele ich eigentlich gar keine Multiplayer, sondern eher globalstrategische Singleplayer, es fehlt einfach das Neue, das Innovative. Mir kam sogar schon eine Idee, was der nächste Schritt sein könnte: WoW hat eine eigene Welt erschaffen, aber alle Spielen in dieser Welt das selbe Spiel. Was wäre, würde man verschiedene Spiele in einer Onlinewelt vereinen? Der eine spielt eine Politsimulation und entscheidet ob seine Nation beispielsweise in den Krieg zieht, der nächste spielt ein Strategiespiel und plant die Schlachten dieses Krieges, der dritte spielt einen Shooter und trägt eben diese Schlachten aus, der vierte spielt eine Wirtschaftssimulation und seine Firma investiert für Werbung in den Motorsportrennstall, den der fünfte managt und für den der sechste fährt…ebenso unendliche Möglichkeiten wie in der realen Welt.

Ich kann natürlich nicht sage, wie das ganze funktionieren soll, aber ich denke das wäre ein logischer nächster Schritt der Entwicklung, oder?

PS von Cala:
Danke Tobi für diesen Gastbeitrag. Eine echt interessante Idee für eine Online Spielwelt. Was haltet ihr davon?

Meinen Gastbeitrag “Wo gehts denn hier zum Weihnachtsmann?” im Zuge des Blogjuleklapp findet ihr im Balkonzeit Blog, wo ich über Weihnachten in Online Games schreibe.

15 Kommentare - da geht noch was! Oder siehst du das anders?

Trackbacks - Blog-Reaktionen / Verlinkungen

  1. Blogjulklapp 2009: Die Artikel
  2. Startschuss für den Blogjulklapp 2009 - BlogFrosch
  3. Blogjulklapp 2009: Zusammenfassung & Fazit
  1. Michael schrieb:

    Ein sehr interessanter Ansatz, der den Spielefirmen ein riesiges Betätigungsfeld gäbe, wenn sie es denn nutzen würden.

  2. Chris schrieb:

    Das was du beschreibst, könnte das ultimative Spiel sein. Eine Open-World mit zig Bereichen, Ländern, Spielarten, Aufgaben… das erinnert mich ein wenig an Otherland. http://de.wikipedia.org/wiki/Otherland (Bin erst bei Buch 2)

    Wenn solch ein Spiel (oder Netz) erscheint, würde es sogar dem ganzen Internet an sich Konkurrenz machen.

  3. Yitu schrieb:

    Diese Idee ist / wird gerade Umgesetzt.

    Schon jetzt Spielen in EVE einige Leute in der Welt ein MMO als PvE-Spiel. Andere ein PvP-Spiel. Und andere bald einen Shooter. Siehe dazu: http://ao-lai.blog.de/2009/08/26/video-interview-anbindung-shooter-dust-514-eve-online-golem-de-6824205/

    Es gibt aber bisher keine andere Spielwelt, die diesen Weg geht. Jedenfalls nicht “angekündigt”. Final Fantasy und WoW wären gute Kanidaten.

    Abwarten und Tee trinken. :)

    Viele Grüße aus Essen,

    Yitu

  4. ZeissS schrieb:

    Einen solchen Ansatz von mehreren Spielen in einer Welt gibt es bisher noch nicht. Ich weiß nur von CCP Games das diese ihren nächsten Titel Dust 514 im Universum vom MMO Eve-Online spielen lassen wollen. Spieler in Eve können dann Gruppe aus Dust anheuern, kämpfe auszutragen. Je nachdem wie die Ausgehen kriegen dann die Eve Spieler kontrolle über Planeten. Wir werden sehen wie gut das klappt. :P

  5. waldemar schrieb:

    Eine gute Idee wobei ich mir nicht sicher bin ob das wirklich funktionieren würde auch wenn es spannend klingt ;) .
    Es gab soweit ich weis einen Mod für Half Life in dem Menschen gegen Aliens auf einer Karte kämpfen. Der Clou an der Sache: jede Seite hatte jeweils einen Commander für den das ein stategiespiel war. Er konnte den einzelnen Leuten befehle geben, diese sahen dann wo sie hin sollten, was sie am ende jedoch machen war ihnen überlassen.

    Ich hab das nicht verfolgt, aber ein Renner aller CS wurde es nicht. Ich glaube der Hauptgrund war, das fehlende Vertrauen der Soldaten in ihren Commander.

  6. Cala schrieb:

    @waldemar: Ich glaube, das ist auch das grundlegende Problem. Denn man müsste sich darauf verlassen können, dass die anderen “Spielbereiche” das auch wirklich ernst nehmen und spielen wollen. Und die online Anonymität verhindert so einen Spielgedanken leider durch das Handeln von “Spassvögeln” :(

  7. tobi schrieb:

    danke für das lob, mir ist klar dass die umsetzung schwierig wäre – aber lustig wäre sowas schon! und waldemar, das spiel das du meinst dürfte “natural selection” sein, wurde mehrfach zur mod des jahres gekührt, und war von den spielern bei den hl-mods schnell auf platz 3 hinter cs und dod (day of defeat). ich hab das spiel ne zeitlang im clan gespielt, war echt geil – und die entwickler arbeiten aktuell am zweiten teil (als standalone).

  8. Sven Recker schrieb:

    Hallo,
    interessant der Ansatz und sicher realisierbar. Einen ersten Versuch gab es in den Welten der 3D Gesellschaften wie Second Live, wo man viele Möglichkeiten hatte. Leider waren diese noch nicht so gut Strukturiert, das ganze Kreige machbar wären. Sondern es waren da eher die Wirtschaftlichen Ansätze verfolgt worden. Was @waldemar schrieb wird da am interressantesten den wenn zwischenmenschliche nicht klappt, wird der der den Krieg ausruft alleine dastehen. Ich denke mit den ganzen Ansätzern wird es sicher mal ein Durchbruch geben.
    Gruß
    Sven

  9. Bachlaham schrieb:

    Also ich muss auch gestehen, dass das ne gute Idee ist aber an der umsetzung hackts halt :-/ aber wie wir alle wissen ist das auch teilweise der Grund warum Raids schiefgehen :-D

  10. Baraan schrieb:

    @Waldemar:
    Battlezone II hatte schon immer diesen Ansatz, gerade im Multiplayer sehr spannend: 10 Spieler, 2 Teams: Jedes Team hat einen Commander, der das ganze als RTS sieht und die anderen 4 hatten es aus Sicht eines Shooters/Raumspiels, evtl mit AI Wingmans. Echt cool, muss doch gleich mal auf die Packung gucken, ob man das auch übers INet spielen konnte, vielleicht haben ja ein paar Gildies Lust bei mir. :)

  11. Prishe schrieb:

    Battlezone II hab ich früher auf LAN-Partys rauf und runter gezockt… ich meine es gab einen internet-zugang (zumindest musste man immer auf LAN umschalten, wenn man den mp-modus gestartet hatte)

    leider ist das spiel für uns unspielbar geworden, da es mit neueren systemen nicht mehr klar kam und gar nicht erst gestartet hat oder nur grafikfehler anzeigte…

    das die Firma, die den Battlezone-franchise übernommen hatte (von Activision zu Pandemic Studios), inzwischen nicht mehr existiert, hilft auch nicht gerade dabei, dass das spiel auf aktuellen systemen lauffähig bleibt.

    eigendlich war es geplant das Battlezone 3 irgendwann rauskommen sollte, aber durch schlechte verkaufszahlen wurde dieser plan eingestampft.

    ich könnt jetzt behaupten “die welt ist nicht bereit für spiele, bei denen man sich auf mitspieler verlassen muss”… und so scherzhaft der spruch zu anfang gemeint war… ich glaube er stimmt sogar…

    sobald ein spieler dem kollegen mehr vertrauen muss als das er einem nicht in den rücken schiesst, ist es mit der spielergemeinschaft vorbei… dafür gibt es zuviele egoisten unter den spielern…

    irgendwie hab ich das gefühl das RTS und FPS nie sinnvoll zusammen geführt werden können (und sich dann auch länger halten)… und bei anderen spielebereichen sehe ich ähnliche probleme, erst recht wenn es in den MMO-bereich geht…

    persönliche anmerkung: ‘CoD: MW2′ ist durch… aber irgendwie hatte ich mir mehr erhoft als 4 stunden geballer und 2-3 recht sinnlose plot-twists… ;P

  12. Chimaere schrieb:

    IMHO stellt WoW schon einen solchen Ansatz dar. Sicher ist es noch weit davon entfernt perfekt zu sein (zumal viele Dinge erst später eingebaut wurden und es bei einigen Dingen doch ziemlich holpert was Balancing angeht), und sicher ist WoW da auch kein exklusiver Vorreiter. Dennoch vereint es IMHO bereits jede Menge Spielmöglichkeiten in einem Spiel.

    Spielt man lieber PvP? Massenschlachten? Ab in die BGs. 3vs3? Ab in die Arena.
    Spielt man lieber allein ein wenig vor sich hin? Geht man halt allein ein paar Quests erledigen.
    Erlebt man gern mehr oder weniger epische Kämpfe gemeinsam mit Kumpels? Raids.
    Ist man Sammler? Mounts, Pets, Erfolgssystem,..
    Wirtschaftssimulation? Ich kenn Spieler, die verbringen ihr Spiel damit rein durch Handel im AH.

    WoW bietet theoretisch für Jeden etwas (klingt nun wie Werbung, soll es aber nicht sein :o)). Von denen, die einfach nur ein wenig vor sich hinspielen wollen, über diejenigen, die elend lang Berechnungen für das letzte Prozent Charoptimierung betreiben, bis hin zu denen, die anfangen sich eigene Interfaces und Addons zu programmieren – aus Spaß, um sich oder Anderen das Leben einfacher zu machen im Spiel, oder einfach der Herausforderung halber.

    Aber genau das ist auch das Problem von WoW.
    Nun prallen all diese Welten aufeinander. Der Spieler, der einfach so vor sich hinspielt gerät mit dem Charoptimierer in eine Dungeon Gruppe. Der Eine regt sich über die Luschen-DPS des Anderen auf, während der Andere dem Einen aufzeigen will, daß Spielspaß nicht nur aus Max-DPS bestehen kann und muß. Und schon gehen die Flamewars los. Keiner versteht den Anderen und will es auch garnicht. Und das Beste: es wird nicht nur untereinander geflamet und geneidet, es wird vor allen Dingen auf den Hersteller geschimpft, daß er für Alle Möglichkeiten geschaffen hat (uh, ich sehe es schon kommen – der Satz hat Konfliktpotential, weil so Viele das anders sehen werden. Ich wette ich kann mindestens eine Antwort auf diesen voraussehen).

    Damit ist zwar der Gedanke viele Interessen unter einen Hut zu bringen ein reizvolles Spielkonzept und möglicherweise tatsächlich das Spielkonzept der Zukunft, aber ich bin mir nicht sicher, ob sich das jemals durchsetzen wird aufgrund der Spieler. Wenn zwei oder mehr Welten aufeinanderprallen ist Krieg eher wahrscheinlicher als ein friedliches Nebeneinander.

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