Am Anfang will ich gleich zwei Dinge klarstellen: erstens ist dieser Artikel nicht von Cala, es ist ein Gastartikel von tobi im Rahmen von Konnas Blogjulklapp, bei welchem ich halt diesem Blog zugelost wurde. Ich schreibe normal auf red flog, dort nur sehr selten über Computerspiele, nie über World of Warcraft, welches ich zwar mal gespielt habe, aber seit sehr langer Zeit nicht mehr spiele.
Zweitens, auch wenn der Titel ein klein wenig so klingen mag, dies soll nicht der übliche WoW-Bash werden, auch wenn ich dem Spiel persönlich inzwischen eher kritisch gegenüberstehe. Ich hoffe, der Artikel kommt trotzdem recht objektiv bei euch Lesern an!
Auch wenn das Bild von Computerspielern in der Gesellschaft oft mit dem Begriff Kellerkind beschrieben werden kann, betrachtet man die Geschichte von Computerspielen mal objektiv gab es immer soziale Aspekte dabei. Klar bieten und boten Spiele immer die Möglichkeit sich alleine zu unterhalten, aber bereits in frühesten Zeiten konnte man das Ganze als Gruppenaktivität gestalten. Bei welchem Arcadeautomaten stand nicht oftmals neben dem Spieler noch eine Gruppe Anderer, welche sein Spiel beobachteten und kommentierten? Ob Pacman, Tetris oder Asteroids, ich persönlich fand dass (zynische) Zwischenrufe mir fast eben soviel Spaß machten wie das Spielen selbst. Oder die Konsole (war die von Atari) meines Nachbarn, auf welcher wir wie wild Pong spielten, was gegen andere Spieler um einiges witziger war als gegen den Chip in der Konsole – der brachte viel weniger Emotionen rüber wenn er gewann oder verlor.
Als nächstes gab es dann den c64 eines Klassenkameraden, auf welchem wir gemeinsam das Jump&Run Bruce Lee spielten, und dabei gab es eine Neuerung meiner Multiplayererfahrung, eigentlich die erste. Denn bei Bruce Lee könnte man gleichzeitig spielen! Der eine Spieler steuerte Bruce Lee, der andere einen dicken Sumotypen durch die Räume, welche die zwei Figuren nur gemeinsam zum nächsten verlassen konnten. Zum ersten Mal war direktes Teamplay gefragt! Danach gab es eine ganze Zeit keine wirklichen Fortschritte, weder an meinem Amiga500, noch am IBM-kompatiblen PC meines Bruders, es blieb bei spielen im gleichen Fenster, SplitScreen und rundenbasierten Multiplayern. Klar gab es noch lustige Spiele, bis zu 4 Leute vor einem PC mit You don´t know Jack war wirklich ein unglaublich witziger Quizspaß, aber es war nur die Steigerung der bisherigen Technik, nichts Neues!
Gegen Ende der 90er kam dann dann die Revolution: Netzwerke mit BNC-Kabeln (und die ewige Diskussion wie der BNC-Kreis am besten aufgebaut werden sollte)! Diablo, HalfLife Deathmatch und die ersten dazugehörigen Mods waren angesagt. Irgendwann war dann eigentlich nur noch CounterStrike angesagt, und es ging vermehrt auf LAN. Aber relativ schnell kam dann der nächste Quantensprung, das Internet. CS-Server mit 16 Spielerslots, und das ohne den PC erstmal zu einem Kumpel schleppen müssen – herrlich!
Die logische Fortsetzung war dann World of Warcraft, eine viel größere Welt und viel, viel mehr Spieler gleichzeitig, das kam einem schon fast wie eine belebte Welt vor. Ich spielte WoW während der Beta und noch etwas Zeit danach, aber auch dieses Spiel hatte seine Mängel. PVE-Server waren eh uninteressant, also gingen wir damals direkt auf einen PvP-Server, aber selbst dort gab es, bis auf wenige Ausnahmen, keine wirkliche Auseinandersetzung zwischen den Fraktionen, Spieler der Allianz und der Horde lebten zumeist nebeneinander her. Quests, Ausrüstung und Aufstiege waren wichtiger als die eigentliche Hintergrundgeschichte des angeblichen Konflikts. Gelegentlich gab es Raids, was damals noch bedeutete dass eine Gruppe in ein Gebiet der anderen Fraktion eindrang und versuchte so weit wie möglich alles zu plätten, aber gut durchgeführte Raids waren wirklich seltene Aktionen, zumeist war der Spuk nach wenigen Minuten vorbei. Ich probierte sogar die Rollenspielserver aus, aber außer geschwollener Sprache war da nicht wirklich etwas anders. An einem Punkt entschied ich dann, dass WoW für eine Zeit nett war, mir aber für die zu investierende Zeit und das Geld zu wenig bot.
Aktuell spiele ich eigentlich gar keine Multiplayer, sondern eher globalstrategische Singleplayer, es fehlt einfach das Neue, das Innovative. Mir kam sogar schon eine Idee, was der nächste Schritt sein könnte: WoW hat eine eigene Welt erschaffen, aber alle Spielen in dieser Welt das selbe Spiel. Was wäre, würde man verschiedene Spiele in einer Onlinewelt vereinen? Der eine spielt eine Politsimulation und entscheidet ob seine Nation beispielsweise in den Krieg zieht, der nächste spielt ein Strategiespiel und plant die Schlachten dieses Krieges, der dritte spielt einen Shooter und trägt eben diese Schlachten aus, der vierte spielt eine Wirtschaftssimulation und seine Firma investiert für Werbung in den Motorsportrennstall, den der fünfte managt und für den der sechste fährt…ebenso unendliche Möglichkeiten wie in der realen Welt.
Ich kann natürlich nicht sage, wie das ganze funktionieren soll, aber ich denke das wäre ein logischer nächster Schritt der Entwicklung, oder?
PS von Cala:
Danke Tobi für diesen Gastbeitrag. Eine echt interessante Idee für eine Online Spielwelt. Was haltet ihr davon?
Meinen Gastbeitrag “Wo gehts denn hier zum Weihnachtsmann?” im Zuge des Blogjuleklapp findet ihr im Balkonzeit Blog, wo ich über Weihnachten in Online Games schreibe.